US-Militär trainiert mit der Schweizer Armee mitten in der Zentralschweiz. Kritiker sehen darin ein weiteres Signal für die schleichende Annäherung an ausländische Streitkräfte.
Während die Schweiz offiziell an ihrer Neutralität festhält, üben derzeit Soldaten der US Army gemeinsam mit der Schweizer Armee in mehreren Orten der Zentralschweiz. Was von den Verantwortlichen als harmloser Erfahrungsaustausch dargestellt wird, dürfte bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Fragen auslösen: Wie weit soll die militärische Zusammenarbeit mit einer Weltmacht noch gehen?
Die Übungen finden in den Regionen Seewen, Einsiedeln, Rothenturm, Schattdorf und Stans statt. Nach Angaben der Armee steht die medizinische Versorgung von Verwundeten im Mittelpunkt. Trainiert werden unter anderem Erstversorgung, Evakuation und die Behandlung von Verletzten in militärischen Spitalstrukturen.
Offiziell dient das gemeinsame Training dazu, die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften zu verbessern. Genau darin sehen Kritiker jedoch das eigentliche Problem. Denn je enger die operative Abstimmung mit ausländischen Armeen wird, desto stärker gerät die traditionelle Rolle der Schweiz als unabhängiger und neutraler Staat unter Druck.
Auf Schweizer Seite beteiligt sich das Spitalbataillon 5 mit rund 400 Angehörigen der Armee. Die US Army entsendet eine spezialisierte Sanitätseinheit mit 14 Soldatinnen, die üblicherweise vom amerikanischen Militärstandort Ramstein in Deutschland aus operiert. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Partnerschaft zwischen den beiden Einheiten vorbereitet.
Die Übungen mögen auf den ersten Blick technischer Natur sein. Politisch sind sie jedoch weit mehr als eine reine Sanitätsausbildung. Sie stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die seit Jahren zu beobachten ist: die zunehmende Vernetzung der Schweizer Armee mit ausländischen Streitkräften.
Für Befürworter ist dies eine notwendige Anpassung an neue sicherheitspolitische Realitäten. Für Kritiker hingegen sind solche Manöver ein weiterer Schritt weg von einer eigenständigen Landesverteidigung und ein Symbol dafür, dass die Schweizer Neutralität immer stärker zur Verhandlungssache wird.