Sanktionen – tödlich wie Kriege

Im Oktober 25 veröffentlichte THE LANCET die Ergebnisse einer Forschungsarbeit, die die Auswirkungen von einseitigen Sanktionen auf die Sterblichkeit untersucht hat. Dabei zeigte sich, dass Sanktionen ähnlich viele Opfer fordern, wie bewaffnete Konflikte. 

Frühere Untersuchungen zeigten, dass Sanktionen in den betroffenen Ländern zu einer Verschlechterung der gesundheitlichen Bedingungen der Bevölkerung führen. Neu haben Francisco Rodríguez, Silvio Rendón und Mark Weisbrot erstmals den Zusammenhang zwischen Sanktionen und altersspezifischen Sterblichkeitsraten untersucht anhand von Daten aus 152 Ländern im Zeitraum von 1971 bis 2021. Dabei kamen sie zu folgendem Schluss:

«Ergebnisse

Unsere Ergebnisse zeigten einen signifikanten kausalen Zusammenhang zwischen Sanktionen und einer erhöhten Sterblichkeit. Die stärksten Auswirkungen stellten wir bei einseitigen, wirtschaftlichen und US-Sanktionen fest, während wir für UN-Sanktionen keine statistischen Belege für eine Auswirkung fanden. (…) Wir schätzten, dass einseitige Sanktionen mit einer jährlichen Zahl von 564 258 Todesfällen (…) verbunden waren, was in etwa der weltweiten Sterblichkeitslast durch bewaffnete Konflikte entspricht.

Interpretation

Sanktionen haben erhebliche negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, wobei die Zahl der Todesopfer mit der von Kriegen vergleichbar ist. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Sanktionen als außenpolitisches Instrument zu überdenken, und betonen, wie wichtig es ist, bei ihrer Anwendung Zurückhaltung zu üben und ernsthaft über Maßnahmen zur Reform ihrer Ausgestaltung nachzudenken.» https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(25)00189-5/fulltext

Solange unsere Bundesräte völkerrechtswidrige Sanktionen unterstützen, machen sie sich mitschuldig an den von den Autoren beschriebenen tödlichen Folgen dieser Sanktionen.

Zu Recht fordert der ehemalige Schweizer Diplomat Jean-Pierre Vettovaglia in seinen zehn Geboten zur Neutralität in seinem Buch «Neutralité suisse et ordre mondial au bord du basculement», dass die Schweiz nur Sanktionen übernehmen sollte, die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängt worden sind: «Die Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika, Grossbritanniens und der Europäischen Union sind einseitig, spiegeln lediglich eine Politik der Gewalt wider, gegen die vor Gericht kein Rechtsmittel eingelegt werden kann, und sind nach dem Völkerrecht und der Charta der Vereinten Nationen rechtswidrig.» https://bene.swiss/eine-glaubwuerdige-neutralitaet/

Eine Antwort

  1. Ich habe nur den letzten Teil Ihrer Ausführungen gelesen – und finde ihn äusserst wichtig: so bedeutsam, dass er prominent in den Vordergrund gestellt werden MUSS: Dass die US-Sanktionen tödlich sind – und daher niemals von einer neutralen Schweiz unterstützt werden dürfen – und dass wie bis anhin die Schweiz ausschliesslich jene Sanktionen unterstützen soll, die vom UN-Sicherheits verhängt wurden.
    Insgesamt finde ich, dass die Diskussion über die Neutralistät der Schweiz sich völlig ins Abseits bewegt. Ich frage mich, warum Aussenminister Ignazio Cassis trotz seiner vielen Amtsjahre als Bundesrat im Aussenministerium noch immer nicht begriffen hat, WAS denn nun Neutralität bedeutet. Die vielen Diskussionen über NATO und EU werden in der Schweiz viel zu oberflächlich geführt. Es mangelt v.a. auch den National- und Ständeräten an FUNDIERTEM Wissen und SACHVERSTAND, was wiederum ein Spiegel ist für die Unwissenheit der politischen Parteien-Mehrheit in unserem Land. Darum sind die Forschungsarbeiten von Herrn Dr. Roca zu Fragen der Neutralität für die Schweiz so wichtig.

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