Erst zugesagt, dann kurzfristig abgesagt: Die Universität Luzern zieht ihre Bewilligung für ein Neutralitäts-Podium zurück. Eine überzeugende Begründung bleibt sie schuldig. Nun steht ein neuer Veranstaltungsort fest.
Die Vorgeschichte reicht in die politische Auseinandersetzung um die Schweizer Neutralitätsinitiative zurück. Die katholischen Dienststellen Vox Ethica und die Schweizer Bischofskonferenz hatten sich gegen die Initiative ausgesprochen, die das Schweizer Stimmvolk im September abgelehnt hatte. Die Bewegung für Neutralität (Bene Swiss) wollte diese Position zum Anlass nehmen, die Frage nach dem Verhältnis zwischen Kriegsmaterialexporten und dem Schweizer Neutralitätsrecht öffentlich zu diskutieren.
Am 6. November sollten dazu unter der Ägide der Bewegung für Neutralität (bene.swiss) die Luzerner SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri und der Theologe Thomas Wallimann-Sasaki von Justitia et Pax aufeinandertreffen. Die Moderation war Bene-Swiss-Geschäftsführer Istvan Hunter zugedacht. Das Thema: «Kriegsmaterialexporte und das Schweizer Neutralitätsrecht: Sind sie vereinbar?»
Zunächst schien einer Durchführung an der Universität Luzern nichts im Weg zu stehen. Am 26. Oktober unterzeichneten die Universität und Bene Swiss den Vertrag für die Raumnutzung. Doch nur zwei Tage später, am 28. Oktober, machte die Hochschule ihre Zusage wieder rückgängig, wie die Plattform Zentralplus berichtete. In einer Mitteilung verwies sie auf eine erneute interne Prüfung der Rahmenbedingungen, ohne die konkreten Gründe für den Entscheid zu nennen.
Die Veranstalter vermuteten daraufhin Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Teilnahme der SVP-Nationalrätin. Die Universität lieferte aber keine nachvollziehbare Erklärung. Gegenüber den Medien sprach sie von einem «internen Missverständnis» und verwies allgemein auf institutionelle und organisatorische Aspekte, die bei externen Raumvermietungen berücksichtigt würden.
Dieses Vorgehen ist nicht nur irritierend, sondern für eine öffentliche Hochschule ausgesprochen problematisch. Wer Räume zunächst verbindlich zur Verfügung stellt, einen Vertrag unterzeichnet und die Zusage wenige Tage später ohne konkrete Begründung zurückzieht, beschädigt das Vertrauen in die eigene Verlässlichkeit.
Noch schwerer wiegt das Signal, das von einem solchen Entscheid ausgeht. Universitäten sind Orte des offenen Austauschs, der kontroversen Debatte und der kritischen Auseinandersetzung. Gerade bei politisch umstrittenen Fragen muss es möglich sein, unterschiedliche Positionen auf ein Podium zu bringen – auch dann, wenn einzelne Teilnehmer politisch unbequem sind oder mit Widerspruch rechnen müssen.
Sollte tatsächlich die Sorge vor möglichen Sicherheitsproblemen ausschlaggebend gewesen sein, hätte die Universität zunächst nach Lösungen suchen müssen, statt die Veranstaltung kurzerhand zu verhindern. Sicherheitskonzepte, zusätzliche Aufsicht oder ein angemessener organisatorischer Aufwand gehören zum Umgang mit kontroversen öffentlichen Veranstaltungen. Eine Absage ohne transparente Begründung ist jedenfalls keine überzeugende Antwort.
Die Universität kann sich nicht glaubwürdig auf ihre Rolle als Ort des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses berufen und gleichzeitig bei einer bereits zugesagten Veranstaltung die Verantwortung für eine nachvollziehbare Entscheidung vermissen lassen. Der Verweis auf ein internes Missverständnis wirkt angesichts des unterschriebenen Vertrags und der anschließenden Absage wie eine billige Ausrede. Bis heute bleibt offen, was genau passiert ist und welche konkreten Erwägungen den Rückzug rechtfertigen sollten. Auch Zentralplus kritisiert das Verhalten der Uni in deutlichen Worten.
Bene Swiss lässt sich davon nicht aufhalten und hat inzwischen einen Ersatzstandort gefunden. Die Diskussion findet nun im Pfarreisaal St. Leodegar im Hof in Luzern statt. Damit kann das Podium wie geplant am Freitag, 6. November 2026, durchgeführt werden.
Unter dem Titel «Kriegsmaterialexporte und das Schweizer Neutralitätsrecht: Sind sie vereinbar?» diskutieren Vroni Thalmann-Bieri und Thomas Wallimann-Sasaki. Die Moderation übernimmt Istvan Hunter.
Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr und dauert voraussichtlich bis 21 Uhr. Veranstaltungsdetails und Anmeldung hier.
Dass die Diskussion nun an einem kirchlichen Veranstaltungsort stattfinden kann, ist immerhin eine gute Nachricht. Die Universität Luzern hingegen sollte sich ernsthaft fragen, welchen Stellenwert sie der Meinungsfreiheit und der offenen Debatte tatsächlich einräumt. Ein öffentliches Podium darf nicht daran scheitern, dass seine Durchführung unbequem wird. Eine Hochschule, die den offenen Diskurs ernst nimmt, muss ihn ermöglichen – nicht durch unbegründete Absagen erschweren.