Der Bericht «Verpasste Chancen» entlarvt, wie die offizielle Sicherheitsstrategie sich selbst widerspricht. Der Neutralitätsrat zeigt den Ausweg auf.
Es ist ein starkes Stück: Der eigene Nachrichtendienst des Bundes hält einen russischen Angriff auf Europa für «sehr unwahrscheinlich» – und trotzdem baut die «Sicherheitspolitische Strategie der Schweiz 2026» ein ganzes Kapitel auf genau dieser angeblichen Bedrohung auf. Der neue Bericht «Verpasste Chancen» des Neutralitätsrates deckt diesen und weitere Widersprüche schonungslos auf. Er zeigt: Wer die Fakten liest, kann der offiziellen Strategie so nicht zustimmen.
Der Befund ist happig. Zentrale Begriffe wie «Strategie», «Bedrohung» und «hybride Kriegführung» bleiben undefiniert – ein Freipass für beliebige Massnahmen und Eingriffe, bis hin zur Einschränkung der Meinungs- und Informationsfreiheit. Völkerrechtliche Grundlagen, die eine Annäherung an Nato und EU eigentlich zwingend prüfen müssten – die UNO-Charta, das Verbot der Kriegspropaganda, die anerkannten Kriterien für Aggression und Selbstverteidigung – kommen im Papier schlicht nicht vor.
Das ist kein Zufall, es ist die Konsequenz einer schleichenden Erosion: Statt eigenständig zu urteilen, übernimmt die Schweiz zunehmend die Feindbilder und Prioritäten von Nato und EU – und verliert dabei genau jene Unabhängigkeit, die ihre Sicherheit eigentlich ausmacht.
Der Neutralitätsrat zeigt, dass es anders geht. Er fordert eine Risiko-Nutzen-Matrix für jede Kooperation, klare Ausstiegsklauseln, die konsequente Prüfung an der UNO-Charta und das Festhalten an einem UNO- oder OSZE-Mandat für Auslandeinsätze – statt eines Kotaus vor blossen EU-Interessen. Beide Berichte, so die klare Forderung, gehören zurück an den Absender.
Genau dafür setzen wir uns bei bene.swiss ein: für eine Schweiz, die ihre Neutralität nicht verschenkt, sondern als das begreift, was sie ist – ein aktiver Beitrag zu Frieden und Völkerrecht. Der Bericht «Verpasste Chancen» liefert die Argumente. Jetzt sind wir gefordert, sie in die politische Debatte zu tragen – und der Neutralitätsinitiative zum Erfolg zu verhelfen.

Der Neutralitätsrat ist ein Juni gegründetes Expertengremium aus Völkerrechtlern, Historikern, Militärs und ex-Diplomaten, das sich unabhängig und neutral zu völkerrechtlichen Fragen äussert und Verstösse unparteiisch benennt und Empfehlungen an die Schweizer Regierung formuliert. Der Neutralitätsrat wird von bene logistisch und finanziell unterstützt. Spenden zugunsten des Neutralitätsrates sind höchst willkommen.
Dokumente:
Verpasste Chancen. August 2026
Analyse der Dokumente zur schweizerischen Sicherheitspolitik des Staatssekretariats für Sicherheitspolitik (SEPOS) und des Nachrichtendienst des Bundes (NDB)
Medienmitteilung:
Neutralitätsrat fordert Überarbeitung der Schweizer Sicherheitsstrategie, 20.8.2026