Der pensionierte Unternehmer Peter Ruckstuhl sammelt Quellen und stellt die relevanten Fragen. Das Projekt regt an, betritt aber ein dicht besetztes Feld.
Seit Ende August ist die Wissensplattform «Quo vadis Schweiz» online. Sie will zeigen, wie internationale Abkommen und Organisationen den politischen Spielraum der Schweiz verändern.
Initiant ist der Langenthaler Peter Ruckstuhl (*1950), bis 2016 Leiter des Textilunternehmens Ruckstuhl AG. Trägerin ist der Verein Forum für eine neue Demokratiekultur. Geplant war eine Schrift zum Vertragspaket Schweiz–EU. «Doch wer liest heute noch eine Publikation von vielleicht 150 Seiten?», schreibt Ruckstuhl.
Die Website umfasst sieben Dossiers, vom EU-Rahmenabkommen über die Neutralität bis zur Meinungsfreiheit, dazu Dokumente und ein Bulletin, auf Deutsch und Französisch. Als Massstab dient ein Wertekompass mit zehn Kriterien, von der Menschenwürde bis zur Subsidiarität.
Die Plattform erhebe «keinen Anspruch auf politische Neutralität», heisst es im Leitbild. Erfreulich; Die Plattform erwähnt auch den Neutralitätsrat, die Schweizer Stimme des Völkerrechts mit Ex-Diplomaten, Völkerrechtlern, Militärs und Historikern,
Anregend ist «Quo vadis Schweiz», wo Fragen gestellt werden. Zur Souveränität: Wo entstehen Abhängigkeiten, die politisch kaum mehr korrigierbar sind?. Zur Meinungsfreiheit: Wie lässt sich Desinformation bekämpfen, ohne die Debatte einzuengen?
Neu ist das Anliegen nicht. Etliche Organisationen bearbeiten dieselben Themen seit Jahren. Was will «Quo vadis Schweiz» besser machen? Das Projekt hat anthroposophisches Flair und Modernität, dürfte aber die Gegenseiten deutlicher zu Wort bringen.
Insgesamt: Die Themen sind relevant, die Sprache ist unaufgeregt, das Quellenmaterial gut, die Website übersichtlich. Unterstützen, abonnieren und Stoff liefern!
