„In den Bereichen Politik und Völkerrecht könnte die Schweiz eine entscheidende Rolle spielen.“

In einem aktuellen Interview weist Jacques Baud1 auf die Bedeutung der bewaffneten Neutralität auch für die Sicherheit in Europa hin und legt überzeugend dar, wie eine neutrale Schweiz, die ihre Neutralität ernst nimmt und ehrlich ausübt, bei Konflikten als unparteiische Vermittlerin Frieden stiften könnte.

„Wer die Neutralität der Schweiz verstehen will, muss die Geschichte unseres Landes in all ihren Facetten kennen“, so Jacques Baud 1.) im Interview in Zeitgeschehen im Fokus. Mit dem Wiener Kongress von 1815 verbanden die damaligen europäischen Grossmächte (Preussen, Österreich, Russland, Frankreich und England) die der Schweiz zugestandene Souveränität mit der bewaffneten Neutralität, die den kriegerischen Auseinandersetzungen um die strategischen Alpenpässe ein Ende setzten und zur Sicherheit in Europa beigetragen hat.

Neutralität heisst aber nicht angesichts der aktuellen Probleme passiv zu sein, im Gegenteil. Neutralität beinhaltet die Aufgabe, sich aktiv für den Frieden und damit dafür einzusetzen, dass das Völkerrecht von allen Staaten weltweit respektiert und eingehalten wird. „Recht statt Macht“ müsste wieder zur Leitlinie unserer bundesrätlichen Aussenpolitik werden. „In den Bereichen Politik und Völkerrecht könnte die Schweiz eine entscheidende Rolle spielen,“ so Jacques Baud im Interview.

Dank seiner beruflichen Erfahrungen unter anderem auch in bewaffneten Konflikten in Afrika legt Jacques Baud im Interview überzeugend dar, wie Mediation zu einer friedlichen Lösung führen kann. Bei seinen Mediationen war zentral, dass er Schweizer war: „Bei den Vermittlungen, die ich durchgeführt habe, genügte es, zu sagen: «Ich bin Schweizer», damit sich beide Seiten entspannten.“ 

Mit dem parteiischen Verhalten des Bundesrates zur Ukraine und zu Israel/Palästina sei dieses Vertrauen in die Schweiz als neutraler Vermittler ruiniert worden, so Jacques Baud. Dieses Vertrauen muss wieder aufgebaut werden. Die Neutralitätsinitiative ist dazu ein wichtiger Schritt.

1.) Jacques Baud war Oberst der Schweizer Armee. Er arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst und unter anderem auch für die Nato in der Ukraine.

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