Ein Preis für das Recht – und die Wut der Getroffenen

Der Friedensnobelpreis für Navi Pillay ehrt das Völkerrecht. Israels Aussenministerium greift zu Goebbels, die Weltwoche zu einem fragwürdigen Experten.

Der Friedensnobelpreis ging zu oft an Kriegstreiber. Umso erfreulicher ist die diesjährige Wahl: Das Nobelkomitee ehrt die südafrikanische Juristin Navi Pillay. Die frühere Apartheidgegnerin war Richterin am Ruanda-Tribunal und am Internationalen Strafgerichtshof, UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte und zuletzt Vorsitzende der UNO-Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten.

Diese Kommission kam im September 2025 zum Schluss, Israel begehe in Gaza Völkermord, was Israel bestreitet. «Gäbe es einen Preis für Lügen, Hass und Ritualmordlegenden, wäre Navi Pillay nicht bloss eine Anwärterin. Sie wäre die Favoritin», schrieb das israelische Aussenministerium. Joseph Goebbels applaudiere nun «sicher aus der Hölle». Wer mit Goebbels argumentiert, dem fehlen die Argumente.

Auch die Weltwoche zerzauste den Preis. Sie liess Geoffrey S. Corn sprechen, einst oberster Völkerrechtsberater der US-Armee, und verschwieg, dass er Fellow des Jewish Institute for National Security of America ist. Corn übergeht zentrale Normen: Auch Angriffe auf militärische Ziele sind bei unverhältnismässigen zivilen Schäden verboten, Aushungern ist ein Kriegsverbrechen, und eine Warnung vor dem Bombardieren eines Spitals entlastet nicht. Zudem verwechselt er den Beweismassstab für ein Strafurteil mit jenem für UNO-Berichte. Das ist Parteinahme, nicht Völkerrecht.

Der Völkerrechtler Alfred de Zayas gratulierte Pillay im Namen des Neutralitätsrats: «Alfred Nobel wollte den Frieden durch das Recht fördern.» Pillay sei «eine starke Stimme für die Schwachen», ihre Wahl «ein positives Signal» für einen Preis, der an Glaubwürdigkeit verloren habe.

Frieden entstehe nicht aus Stärke, sondern aus Recht, das auch für die Mächtigen gilt. Dass Pillay dafür angefeindet wird, zeige, wie sehr wir Menschen wie sie brauchen.

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