9.September 2026
https://www.kath.ch/newsd/katholische-vox-ethica-sagt-nein-zur-neutralitaetsinitiative/
Eine Friedensbotschaft kennt keine Militärbündnisse
Mit grossem Befremden haben wir die offizielle Positionierung der kirchlichen Dienststelle «Vox ethica» zur Neutralitätsinitiative zur Kenntnis genommen. Dass kirchennahe Kreise im Namen der Schweizer Katholiken aktiv für ein „Nein“ und für eine engere Kooperation mit der NATO werben und auch bei der Teilnahme an Wirtschaftssanktionen kein humanistisches Problem sehen, verlangt nach vehementem Widerspruch.
Die Kirchengeschichte zeigt, dass kirchliche Stimmen, auch wenn sie gut gemeint sind, politisch oft falschliegen, wenn sie in Geopolitik eintaucht. (Negatives Beispiel ist zum Beispiel die ukrainisch- und russisch-orthodoxe Kirche mit ihrer regierungsnahen Haltung). Unser Schweizer Landesheiliger, der Heilige Niklaus von Flüe, sah die Aufgabe von uns Christen im Stiften von Frieden, im Dialog und nicht im Paktieren mit Kriegsparteien. Wir möchten der klerikalen Wahlempfehlung aus drei Gründen widersprechen:
1. Wir sind nicht mehr im Mittelalter Es ist nicht die Aufgabe der katholischen Kirche, resp. «Vox ethica», den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern vorzugeben, wie sie bei einem politischen Urnengang abzustimmen haben. Wenn sich kirchliche Institutionen als parteipolitische Akteure positionieren, verspielen sie ihre spirituelle Glaubwürdigkeit und spalten die Gemeinschaft der Gläubigen.
2. Wirtschaftssanktionen treffen die Schwächsten «Vox ethica» argumentiert mit christlicher Sozialethik. Doch wie verträgt es sich mit dieser Ethik, Wirtschaftssanktionen zu befürworten, die im Kern fast immer die unschuldige Zivilbevölkerung treffen und zu Hunger und Elend führen? Und müsste man, wenn man mit dem Vetorecht im UN- Sicherheitsrat argumentiert, nicht auch Länder wie die USA oder befreundete europäische Länder sanktionieren, die illegale Angriffskriege führen? (Erst dann wäre man neutral und moralisch glaubwürdig.) Würde Jesus Christus solche kollektiven Strafmassnahmen gutheissen? Sicher nicht. Er würde den bedingungslosen Dialog mit allen Konfliktparteien suchen. Genau hierfür ist die strikte, unparteiische Neutralität der Schweiz das wichtigste Werkzeug. Nur wer neutral bleibt, kann als glaubwürdiger Vermittler Brücken bauen, um Konflikte friedlich beizulegen.
3. Keine Annäherung an ein Militärbündnis, das Angriffskriege führt Es ist uns schleierhaft, wie man als Katholik eine engere Zusammenarbeit mit der NATO rechtfertigen kann. Die NATO hat spätestens mit ihren Interventionen ausserhalb ihres eigenen Territoriums – zum Beispiel in Libyen oder Afghanistan – bewiesen, dass sie kein Verteidigungsbündnis mehr ist und Angriffskriege führt. Die Neutralitätsinitiative würde dieser Kooperation einen Riegel schieben. Zu betonen ist auch, dass die Debatte um eine „flexible“ oder „ethische“ Neutralität eine reine Scheindebatte zur Beruhigung des Gewissens ist und verschleiert, dass häufig nicht wir es sind, die über unseren neutralen Status entscheiden, sondern allzuoft geopolitische und wirtschaftliche Interessen. Seien wir ehrlich: Wer nimmt uns noch ernst im Ausland, wenn wir eine «flexible» oder «angepasste» Neutralität propagieren?
Wir fordern die Verantwortlichen der katholischen Kirche in der Schweiz auf: Kehren Sie zurück zu Ihrem eigentlichen Auftrag. Verkünden Sie das Evangelium des Friedens, konzentrieren sie sich auf Dialog und Friedensarbeit, anstatt sich vor den Karren von Geopolitik spannen zu lassen.
Wir stehen Ihnen für einen konstruktiven Dialog gerne zur Verfügung. Es unterzeichnen:
Marcel Helfenstein, Katholik, ehem. Katastrophenhelfer des Bundes (SKH/DEZA) mit Einsätzen in Kriegs- und Krisengebieten u.a. in Libyen, Israel-Palästina, Libanon, Irak, Iran, Ukraine, Russland
Vroni Thalmann-Bieri, Katholikin, Nationalrätin LU, Sozialvorsteherin der Gemeinde Flühli-Sörenberg, Mitinitiantin der Gruppe «Frauen für Neutralität & Frieden»
Istvan Hunter, Katholik, Lehrperson, Religionspädagoge und Geschäftsleiter bene.swiss Bewegung für Neutralität
Versand per 9.9.2026 an:
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