Plädoyer für eine konsequente Neutralität – darum sage ich JA zur Neutralitätsinitiative
Eine Analyse
Neutralität ist keine moralische Kategorie, sondern eine kluge strategische Position eines Kleinstaates im geopolitischen Kräftefeld. Führende Geostrategen wie John Mearsheimer oder Jeffrey Sachs empfehlen der Schweiz die konsequente Neutralität deutlich und explizit.
Die Welt ist heute eine völlig andere als noch vor 20 Jahren, als Europa und Amerika rund 2/3 des Welt-Brutto-Sozialproduktes erwirtschafteten. Heute sind es noch rund 35%. Die Schweiz muss in Zukunft nicht zwischen Deutschland und Frankreich als neutraler Staat überleben, sondern eine konstruktive Rolle in einer multipolaren Welt spielen, in der Europa zunehmen bedeutungslos wird: wirtschaftlich, militärisch, technologisch und moralisch.
Die Schweiz ist nicht neutral, weil sie sich für neutral erklärt. Die Schweiz ist nur dann neutral, wenn die grosse Mehrheit der Welt sie als neutral anerkennt.
Neutralität muss man sich erarbeiten. Neutralität muss sich in den Augen der andern «beweisen» – das ist die bittere Realität für einen Kleinstaat. Neutralität macht nicht unabhängig. Wirtschaftlich und gesellschaftlich ist und bleibt die Schweiz eng verflochten mit anderen Staaten. Aber aussenpolitisch kann sie in der Neutralität ihre eigenen Akzente setzen.
Neutrale Staaten verpflichten sich, in Konflikten keiner Partei mehr zu nützen oder zu schaden. Früher – in der nichtglobalisierten Welt – hiess das vor allem, keinen Krieg zu führen und keine Waffen zu liefern.
Heute heisst das, auch keine einseitigen Sanktionen zu verhängen, denn Sanktionen sind scharfe Waffen, sie töten weltweit jedes Jahr mehr als 500’000 Menschen, vor allem ärmere und Kinder (Quelle: The Global Lancet). Die Eliten der sanktionierten Staaten wissen sich zu helfen und die Sanktionen zu umgehen. Nicht so der grosse Teil der Bevölkerung.
Darum ist es richtig, dass die Neutralitätsinitiative nun auch einseitige Sanktionen ausschliessen will, wenn sie nicht von der breiten Mehrheit der 200 Nationen der Welt geteilt werden, mithin von der UNO beschlossen worden sind.
Die Neutralitätsinitiative ist keine Blocher-Initiative. Wer das behauptet sagt nicht die Wahrheit. Die Neutralitätsinitiative wurde 2022 von René Roca entwickelt. Er hatte alle Parteien zur Mitarbeit eingeladen. Es ist höchst bedauerlich, dass die meisten Politikerinnen und Politiker gar nicht begriffen haben, welche Chance in der Neutralitätsinitiative steckt und sie bekämpfen oder ignorieren. Wir sollten uns alle an der politischen Sache und unseren Werten orientieren und nicht daran, wer die Initiative befürwortet.
Die Linke in der Schweiz war immer die beste Wächterin der Neutralität und des Antimilitarismus, wie ihn Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf den Sozialistenkongressen (z.B. Stuttgart 1907) forderten.
Im 2. Weltkrieg hatte die Linke, die Arbeiterschaft, die Neutralität zusammen mit besonnenen Bürgern und Nationalkonservativen gegen starke Kräfte in der Wirtschaft und im Offizierskorps verteidigt. Das sollten wir auch heute tun.
Die Schweiz gilt weltweit als die älteste neutrale Nation. Die Schweiz ist quasi die Inkarnation der Neutralität. So wurde Österreich nach dem zweiten Weltkrieg zu einer neutralen Nation «gemacht – wie die Schweiz». So skizziert der Doyen der deutschen sozialdemokratischen Aussenpolitik, Klaus von Dohnanyi, in einem Interview der Weltwoche die Zukunft Europas als «das neutrale, föderale Europa – wie die Schweiz».
Die Schweiz ist Depositarstaat des Internationalen Roten Kreuzes, der Genfer Konventionen, gemäss Eidgenössischem Departement des Innern gar von insgesamt von 75 internationalen völkerrechtlichen Verträgen. Nur mit einer konsequent eingehaltenen Neutralität bleibt sie glaubhafte Hüterin des humanitären Völkerrechts. Die Neutralität ist das beste politische Fundament für die Schweiz, um weltweit eine glaubhafte Verteidigerin der Menschenrechte und der direkten Demokratie sein zu können – gerade, weil sie seit Jahrhunderten neutral ist und sich als Kleinstaat nie einem mächtigen Bündnis angeschlossen hat.
Vermittlerdienste, Mediationen in Kriegen und Konflikten sind heute wichtiger denn je! Nur, wenn die Schweiz anerkanntermassen neutral ist, kann sie diese Rolle, in der sie einst gute Dienste erwies, aber die sie sich zunehmend verspielt hat durch die Übernahme von einseitigen EU und US-Sanktionen, ausbleibenden Verurteilungen von Kriegsverbrechen, der arbiträren und nicht konsequenten Verurteilung militärischer Aggression, heute wieder glaubhaft übernehmen.
Was ist das Wichtigste in unserem Leben?
Gesundheit, Frieden und Freiheit gehören sicher dazu!
Als eines der wenigen Länder auf der ganzen Welt können wir seit rund 200 Jahren in Sicherheit, Frieden, Freiheit und Wohlstand leben.
Warum ist das so? Weil wir seit über 200 Jahren neutral sind. Weil wir uns also seit über 200 Jahren nicht mehr in Kriege und internationale Streitereien verwickeln
lassen. Weil wir stattdessen als Friedensvermittler und mit unserer humanitären Hilfe (Internationales Komitee vom Roten Kreuz, IKRK) weltweit aktiv sind und helfen.
Doch unsere Schweizer Neutralität – die Grundlage für Sicherheit, Frieden, Freiheit und Wohlstand – ist in Gefahr: Bundesrat und Parteien wollen unsere Schweizer Neutralität verwässern, aufweichen, sich militärisch immer enger an die Nato und EU anschliessen. Warum? Weil sie keinen Mut mehr haben, zur Schweizer Neutralität zu stehen!
Was sind die Folgen? Weichen wir unsere Neutralität auf, werden wir früher oder später in internationale Konflikte verwickelt. Und sogar in Kriege. Das sehen wir täglich in der Ukraine oder im Nahen Osten. Für uns und unsere Schweiz bedeutet das Tod, Leid und Elend!
Wer das nicht will, wer nicht will, dass wir in Kriege und internationale Streitereien verwickelt werden, wer nicht will, dass unsere Männer, Söhne und Enkel in fremde Kriege ziehen müssen, wer keine Zerstörung, kein Leid für unsere Schweiz will, sagt deshalb am kommenden 27. September :
JA zur Volksinitiative «Wahrung der Schweizer Neutralität (Neutralitäts-Initiative)».
Eine juristische Definition
Zur eidg. Volksabstimmung am 27. September 2026
Eidgenössische Volksinitiative:
«Wahrung der schweizerischen Neutralität (Neutralitätsinitiative)»
Die «Schweizerische Neutralität» soll in der Bundesverfassung mit dem zusätzlichen Art. 54a und nachfolgendem Textvorschlag deutlich konkreter definiert werden:
- Die Schweiz ist neutral. Ihre Neutralität ist immerwährend und bewaffnet.
- Die Schweiz tritt keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis bei.
Vorbehalten ist eine Zusammenarbeit mit solchen Bündnissen für den Fall eines direkten militärischen Angriffs auf die Schweiz oder für den Fall von Handlungen zur Vorbereitung eines solchen Angriffs. - Die Schweiz beteiligt sich nicht an militärischen Auseinandersetzungen zwischen Drittstaaten und trifft auch keine nichtmilitärischen Zwangsmassnahmen gegen kriegführende Staaten. Vorbehalten sind Verpflichtungen gegenüber der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) sowie Massnahmen zur Verhinderung der Umgehung von nichtmilitärischen Zwangsmassnahmen anderer Staaten.
- Die Schweiz nutzt ihre immerwährende Neutralität für die Verhinderung und Lösung von Konflikten und steht als Vermittlerin zur Verfügung.
Es werden also diese 4 klaren Grundsätze definiert:
- Immerwährende, bewaffnete und umfassende Neutralität
Keine Abstriche, keine Ausnahmen – in Friedens- wie in Kriegszeiten. Die Armee muss Gegner durch einen hohen Eintrittspreis abschrecken (Dissuasion). Diese seit 200 Jahren gelebte, schweizerische Neutralität hat sich bewährt. - Kein Beitritt zu Militär- oder Verteidigungsbündnissen
Ausnahmen nur bei einem direkten Angriff auf die Schweiz. Der Bundesrat behält die Möglichkeit, bei klar erkennbaren Gewaltvorbereitungen gegen die Schweiz – auch im Cyberbereich – die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu intensivieren. - Keine Teilnahme an Kriegen und keine wirtschaftlichen Zwangsmassnahmen gegen Kriegsparteien
Keine Übernahme von Sanktionen, da sie Mittel der Gewalt sind und die Schweiz zur Kriegspartei machen. Ausgenommen bleiben Beschlüsse des UNO-Sicherheitsrates und Massnahmen gegen Sanktionsumgehungen. - Aktive Vermittlung statt Parteinahme
Die Schweiz nutzt ihre Neutralität zur Konfliktprävention, Konfliktlösung und für humanitäre Hilfe – etwa durch das IKRK – und weitere Einsätze.
Der bisherige Art. 54 lautet:
1. Die auswärtigen Angelegenheiten sind Sache des Bundes.
2. Der Bund setzt sich ein für die Wahrung der Unabhängigkeit der Schweiz und für
ihre Wohlfahrt; er trägt namentlich bei zur Linderung von Not und Armut in der
Welt, zur Achtung der Menschenrechte und zur Förderung der Demokratie, zu
einem friedlichen Zusammenleben der Völker sowie zur Erhaltung der natürlichen
Lebensgrundlagen.
3. Er nimmt Rücksicht auf die Zuständigkeiten der Kantone und wahrt ihre Interessen.
Weitere Infos: www.neutralitaet-ja.ch; www.bene.swiss; www.neutralitaet-gr-ja.ch