Am 6. und 7. Juli findet im türkischen Ankara der Nato-Gipfel statt. Dagegen protestierten in Istanbul Hunderte von Menschen mit scharfen Worten und kritischen Analysen.
Offensichtlich ist die Sicht auf die Nato bei den Menschen ausserhalb der USA und Europas, die sich gerne als „Wertewesten“ präsentieren, viel weniger vernebelt. Man hat dort eine klare Sicht, dass die Nato von den USA dominiert, ihre europäischen Vasallen entsprechend ihren Interessen dirigiert. In der Türkei weiss man, dass es sich bei der Nato um den militärischen Arm des amerikanischen Imperialismus handelt, dem die europäischen Länder als nützliche Idioten zu dienen haben.
Ungeschminkt hört sich das dann wie folgt an: „Seit ihrer Gründung dient die Nato einem einzigen Zweck. Dem Erhalt des Kapitalismus durch Blutvergiessen, Bomben, Unterdrückung und Ausbeutung. Wie machen sie das? Wie führt dieses sogenannte Verteidigungsbündnis seine blutigen Interventionen durch? Die Länder, die nicht mit dem Geist des westlichen Imperialismus im Einklang stehen, verwandeln sie in Blutbäder, indem sie Regimewechsel herbeiführen, Konfessionskriege schüren, blutige Banden bewaffnen, Militärputsche planen und mit Soldaten sowie ihren Organisationen Geheimoperationen durchführen“, so die junge Frau, die die Proteste organisiert hat, an der Kundgebung. Eine junge Teilnehmerin charakterisierte Sinn und Zweck des Nato-Gipfels wie folgt: „Damit die Kinderschänder und imperialistischen Mächte in unserem Land neue Kriegspläne schmieden können. Aber wir wollen weder die NATO noch die Kinderschänder noch die NATO-Mitglieder in diesem Land. Wir sind hierher gekommen, um ihnen immer wieder zu sagen, dass sie hier nicht erwünscht sind, und um Widerstand zu leisten.“ Auf den Spruchbändern, die auf der Kundgebung mitgetragen wurden, konnte man lesen: „Murderer NATO, get out of country“, „No passage to NATO,“ oder „NATO is the killer of children in Palestine and Iran. Stop the occupation. NATO Out.“
Wenn man sich als Historiker mit der Nato beschäftigt, muss man leider sagen, die Analyse der Organisatorin der Kundgebung gegen den Nato-Gipfel hat Hand und Fuss. Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz als neutrales Land zur Nato – endlich – auf Distanz geht und in einem ersten Schritt ihre Mitgliedschaft in der Nato-Partnerschaft für den ‚Frieden‘ mit der Nato aufkündigt. Wir als Stimmbürgerinnen und Stimmbürger können einer weiteren Annäherung unseres Militärdepartementes an die Nato mit der Neutralitätsinitiative einen Riegel schieben.