Statt die Neutralität kleinzureden, fordert ein Gutachten von 1992, sie als «Grundlage einer zuverlässigen Unparteilichkeit und einer universellen Friedenspolitik zu festigen.
Kaum war der Kalte Krieg vorbei, schon klang das Urteil vieler Politiker wie ausgemacht: Die Neutralität habe ausgedient, sie sei nur egoistisches Abseitsstehen.
Prof. Wolfgang von Wartburg hielt in seinem Gutachten «zur Neutralität der Schweiz und ihrer Zukunft» 1992 dagegen – und sein Befund hat es in sich. Wer die Neutralität jetzt schlechtrede, verkenne ihren eigentlichen Wert. Es sei genau umgekehrt: Der Umbruch ist keine Bedrohung, sondern die grosse Chance, die schweizerische Auffassung der Neutralität endlich offensiver zu vertreten.
Denn Neutralität heisse nicht Abseitsstehen, sondern «machtpolitische Unbescholtenheit» und sorge für die Glaubwürdigkeit, die der Schweiz einzigartige Dienste ermögliche: vermitteln, schützen, helfen.
Während Schweden und Österreich ihre Neutralität für den EG-Beitritt geschmeidig «umdefinierten», solle die Schweiz das Gegenteil tun: zu ihrem Prinzip stehen und es vertiefen. «Es muss einen Ort auf der Welt geben, der ausschliesslich dem Frieden dient», schreibt von Wartburg in seinem Gutachten. Grosse Worte vielleicht, aber nötiger denn je.
Prof. Wolfgang von Wartburg: Gutachten zur Neutralität der Schweiz und ihrer Zukunft. 1992. Im Auftrag von Nationalrat Rudolf Hafner (Freie Liste/BE).