Pascal Lottaz, René Roca und Hans Bieri diskutieren die Neutralitätsinitiative als Gegenentwurf zu NATO-Annäherung, Sanktionen und politischem «Durchwursteln».
Pascal Lottaz, Schweizer Professor in Japan und Host des Youtube-Kanals neutrality studies, beschreibt die Neutralitätsinitiative als Versuch, die Neutralität verbindlich zu definieren: militärisch, wirtschaftlich und als aktive Friedenspolitik.
René Roca erklärt, die Schweizer Neutralität sei heute in der Verfassung zu schwach verankert. Seit den 1990er-Jahren habe sich die Schweiz zunehmend EU und NATO angenähert. Auslöser für die Initiative sei die Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland gewesen. Damit, so Roca, sei die Schweiz faktisch Konfliktpartei geworden.
Die Initiative wolle vier Punkte festschreiben: immerwährende bewaffnete Neutralität, kein Beitritt zu Militärbündnissen, Verbot nichtmilitärischer Zwangsmassnahmen ausser bei UNO-Beschluss sowie eine Verpflichtung zu Vermittlung und guten Diensten.
Roca kritisiert Bundesrat und Parlament scharf: Die offizielle Politik betreibe keine klare Neutralität, sondern ein flexibles «Durchwursteln». Neutralität sei kein opportunistisches Konzept, sondern Teil der Schweizer Staats-DNA.
Hans Bieri betont stärker den geistigen und wirtschaftlichen Gehalt der Neutralität. Neutral sein heisse nicht wegschauen, sondern Konflikte in ihrer Vorgeschichte und Entwicklung verstehen.
Wer nur den Moment des Angriffs betrachte, übernehme oft das Narrativ der Mächtigen. Neutralität ermögliche Aufklärung, Vermittlung und eigenständiges Denken. Bieri warnt zudem davor, Sicherheit rein technisch oder militärlogistisch zu denken.
Die Schweiz dürfe ihre Verteidigung nicht automatisch in NATO-Strukturen einordnen. Auch wirtschaftlich sei Neutralität wichtig: Sie sichere Austausch, Versorgung und Beziehungen zum gegenseitigen Vorteil.
Zum Schluss verbinden Roca und Bieri die Initiative mit der Abstimmung über das Kriegsmaterialgesetz. Roca fordert ein Ja zur Neutralitätsinitiative und ein Nein zur Lockerung von Waffenexporten. Die Schweiz müsse Rückgrat zeigen und ihrem Sonderweg treu bleiben.
Neutrality Studies: EU Schockiert: Die Schweiz verteidigt Ihre Neutralität | R. Roca & H. Bieri. 7. Mai 2026
Eine Antwort
Nur aus neutraler Sicht und Position kann auf Konflikte glaubwürdig eingewirkt werden. In/mit einem Bündnis oder Staat ist man automatisch Partei und hat keine Chance für Vertrauen mit neutraler Betrachtungsweise des Konflikts zur Beilegung. Neutrale Staaten verursachen nie Krieg. Um weniger bedenkenlos angegriffen zu werden, braucht der neutrale Staat, die Schweiz, eine ernst zu nehmende Armee.