Soll unsere Jugend kriegsbereit oder friedenstüchtig werden?

2025 hat die Schweizer Armee zusammen mit der pädagogischen Hochschule Luzern ein Lehrmittel herausgegeben, das unserer  Jugend eine militärische Annäherung an die EU und die Nato schmackhaft machen soll. 

Die Strategie zur Abschaffung der schweizerischen Neutralität wurde von langer Hand vorbereitet. Bereits vor 25 Jahren empfahl der Stellvertretende Generalsekretär und Botschafter des Eidgenössischen Militärdepartementes, Anton Thalmann1: «Man muss die Neutralität, an der kein Bedarf mehr besteht, sanft einschlafen lassen.» Thalmann, der die Schweizer Milizarmee gerne in ein Nato-Modul umgewandelt hätte – womit die Neutralität zerstört worden wäre – wusste sehr genau, dass Neutralität und Milizarmee in der Schweiz höchste Zustimmung geniessen. 2001 erklärte er an einem Nato-Symposium in Deutschland, wie beim Umbau der Milizarmee in ein Nato-Modul vorgegangen werden muss: „Das grosse Ausmass der nationa­len und der gesellschaftlichen Identifikation des Schweizervolkes durch die Milizarmee macht die Reform zu einem brisanten politi­schen Thema. Ohne eine gründliche psycholo­gische Vorbereitung macht die öffentliche Meinung nicht mit».2  

Ein solches Vorgehen ist zutiefst unethisch, betrügerisch und antidemokratisch. Anstatt dem Schweizer Volk 2001 ehrlich offenzulegen, was man plant, sollte die öffentliche Meinung mit psychologischen Mitteln manipuliert und das Denken der Bevölkerung in die staatlich vorgesehene Richtung gelenkt werden. 

25 Jahre später übernimmt Bundesrat Pfister diesen antidemokratischen Kurs mit seiner Sicherheitsstrategie 2026. Mit dieser nutzt er den Ukrainekonflikt und die in diesem Zusammenhang aufgeheizte medial/behördliche Angstkampagne „Die Russen kommen!“ dazu, die Schweiz näher an Nato und EU zu binden und damit die Neutralität und den Ruf der Schweiz als das Land der Guten Dienste weiter zu zerstören. 

Auch ein neues Lehrmittel für Jugendliche (2025 in zweiter Auflage erschienen) dient diesem Zweck, das unter dem Titel „Wie sicher sind wir? Die Sicherheitspolitik der Schweiz“ von der Schweizer Armee, Kommando Ausbildung und der Pädagogischen Hochschule Luzern herausgegeben worden ist. 

Das Lehrmittel bietet durchaus realistische Informationen zur Neutralität, zur Sicherheitspolitik und zu einer Schweiz der Guten Dienste. Unterschiedliche aktuelle mögliche Bedrohungen für die Sicherheit der Schweiz werden beschrieben, bei denen jedoch dann Russland als möglicher Gefahrenherd für die Schweiz immer wieder erwähnt wird. Damit entsteht der Eindruck, die neutrale Schweiz sei alleine auf sich gestellt diesen Bedrohungslagen nicht gewachsen. Damit sei ein engeres militärisches Heranrücken an EU und Nato unvermeidlich. 

Das Lehrmittel arbeitet mit der Psychotechnik des ‚Nudging‘. Auf den ersten Blick meint man, das Lehrmittel sei darauf ausgelegt, dass sich Jugendliche eine eigene Meinung bilden können. Eine genauere Analyse des Lehrmittels von Susanne Lienhard in ,Zeitgeschehen im Fokus’3 zeigt, wie das Denken der Jugendlichen stattdessen subtil in eine staatlich erwünschte Richtung gelenkt wird. 

Unter der Kapitelüberschrift „Formen und Beispiele der Friedensförderung mit Schweizer Beteiligung“ landet man am Ende des Lehrmittels nach der realistischen Beschreibung der „Guten Dienste“ beim Absatz „Militärische Friedensförderung“, der neben der Uno auch EU und Nato als friedensfördernd erwähnt. Und die völkerrechtswidrigen Nato-Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak, schon vergessen? „Ein Schelm, der Böses dabei denkt?“

  1. https://www.admin.ch/cp/d/1996May3.100917.5701@idz.bfi.admin.ch.html ↩︎
  2. Die Weltwoche, Philipp Gut, Schweizer Euroturbos in Europa, 20. Juni 2016 ↩︎
  3. Zeitgeschehen im Fokus, Susanne Lienhard, „Resilienz stärken“- ja, aber wie? Lehrmittel „Wie sicher sind wir?“ – Stärkung der Resilienz oder Erziehung zum Krieg?, Nr. 3/4. Februar 2026. ↩︎

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