Die ‚Neutralität als Friedensprojekt‘ stösst auf Interesse. Im Januar 2026 haben die „Global Women for Peace United Against NATO“ zu einer internationalen Zoomkonferenz unter dem Titel NEUTRALITY&PEACE[1] eingeladen, an der im Zusammenhang mit der Neutralität von Elke Zwinge (Deutschland) die Bewegung der Blockfreien NAM vorgestellt worden ist.
Die Gewissheit, dass Neutralität in unserer Welt zu mehr Frieden beitragen könnte, ist weiter verbreitet, als man gemeinhin annimmt. So war und ist die Neutralität ein wichtiger Bestandteil der Bewegung der Blockfreien (NAM), die sich nach dem zweiten Weltkrieg gebildet hatte und sich an der Uno-Charta von 1945 orientierte.
1948 gründeten die USA als Führungsmacht des Westens die Nato, während im Gegenzug die Sowjetunion im Rahmen sozialistischer Staaten 1955 mit dem Warschauer Pakt nachzogen. Damit standen sich zwei gewichtige Militärblöcke gegenüber.
Die Bewegung der Blockfreien wollte sich keinem der beiden Machtblöcke anschließen. Sie wollte ihren eigenen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Weg gehen auf der Grundlage der zehn Prinzipien der friedlichen Koexistenz. Gegenüber der Nato und dem Warschauer Pakt positionierte sich die NAM als neutrales Gegengewicht.
Der Bewegung der Blockfreien zugeneigt waren vor allem die Länder der damaligen 3. Welt, die sich bereits der Fesseln des Kolonialismus entledigt hatten oder noch für ihre Unabhängigkeit kämpften. 1955 setzen sich Vertreter aus 29 afrikanischen und asiatischen Staaten im indonesischen Bandung zu einer ersten Konferenz zusammen, so unter anderen Sukarno (Indonesien), Zhou Enlai, (Volksrepublik China), Nasser (Ägypten), Nehru (Indien) oder Nkrumah (Ghana).
An der Konferenz wurden die zehn Prinzipien einer friedlichen Koexistenz entwickelt, die in ihrer Gesamtheit das Prinzip der Neutralität implizit beinhalten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Uno-Charta, Völkerrecht und Menschenrechte von westlichen Mächten durch nackte Gewalt versenkt werden, lohnt es sich, diese Prinzipien – ausgearbeitet in der damaligen sogenannt ‚unterentwickelten 3. Welt’! – sorgfältig durchzugehen.
Die zehn Prinzipien im Abschlusskommuniqué der Konferenz von Bandung von 1955 lauten wie folgt:
- Die Achtung der grundlegenden Menschenrechte sowie der Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen.
- Die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität aller Nationen.
- Anerkennung der Gleichheit aller Ethnien und der Gleichheit aller großen und kleinen Nationen.
- Verzicht auf Intervention oder Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes.
- Achtung des Rechts jeder Nation, sich einzeln oder gemeinsam zu verteidigen, in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen.
- (a) Verzicht auf die Anwendung von Vereinbarungen zur kollektiven Verteidigung, die den besonderen Interessen einer der Großmächte dienen.
(b) Verzicht eines jeden Landes auf die Ausübung von Druck auf andere Länder. - Verzicht auf Angriffshandlungen oder -drohungen oder die Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines Landes.
- Beilegung aller internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel wie Verhandlungen, Schlichtung, Schiedsverfahren oder gerichtliche Beilegung sowie andere friedliche Mittel nach Wahl der Parteien in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen.
- Förderung der gegenseitigen Interessen und der Zusammenarbeit.
- Achtung des Rechts und der internationalen Verpflichtungen.[1]
1961 wurde die Konferenz der Blockfreien auf Initiative von Tito (Jugoslawien) in Belgrad weitergeführt. An ihrem Gipfel von Lusaka von 1970 einigten sich die Mitgliedsstaaten der NAM darauf, Konflikte friedlich beizulegen, militärische Bündnisse und Pakte mit den Großmächten und fremde Militärstützpunkte abzulehnen und auf die Stationierung von fremden Militärstützpunkten auf ihrem Territorium zu verzichten.
Am Gipfel von Algier verurteilte die NAM 1973 die Kriege der USA in Indochina und diskutierte über die Nutzung ihrer Ressourcen zum Nutzen ihrer eigenen Völker.
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihren sozialistischen Verbündeten wurde die NAM mit ihrer antikolonialistischen und antiimperialistischen Ausrichtung zu einer Vertreterin der Länder des globalen Südens. Mit ihren 120 Mitgliedstaaten umfasst die NAM heute rund 55 Prozent der Weltbevölkerung und hat zwei Drittel aller Sitze in der Uno-Generalversammlung inne. Innerhalb der NAM gibt es die Gruppe der 77, die die Zusammenarbeit der Länder des globalen Südens unterstützt.
Wenn man sich diesen Sachverhalt in Ruhe durch den Kopf gehen lässt, erkennt man, dass die Schweiz mit ihrer Neutralität – in Einklang mit der Mehrheit der Weltbevölkerung – auf der Seite der Uno-Charta und des Völkerrechtes steht. Fazit: Neutralität ist kein Auslaufmodell . . .
[1] https://amerika21.de/analyse/275267/der-geist-von-bandung-i