Ausstellung von Jacques Baud 

«TOP SECRET Espionnage et résistance en Suisse et en Europe 1939 - 1945»

Im Château de Morges am Genfersee hat Jacques Baud (Oberst im Generalstab a.D./Mitarbeiter des Nachrichtendienstes a.D.) eine Ausstellung zur Schweiz im 2. Weltkrieg konzipiert, die die historische Betrachtung auf die damalige Zeit grundlegend verändert. 

Mit dem Bergierbericht von 2002 wurde die Geschichte der Schweiz im 2. Weltkrieg neben der Flüchtlingsfrage auf wirtschaftliche und finanzielle Bereiche verengt. Geopolitische Aspekte wurden wenig beachtet und die Gefahr von deutschen Angriffen auf die Schweiz massiv unterschätzt. Das zeigt die Ausstellung «TOP SECRET», die die Angriffspläne der deutschen Wehrmacht für 1940, 1943 und 1945 anhand von Dokumenten im 230 Seiten umfassenden Begleitband zur Ausstellung1 detailliert belegt.

Mit der Ausstellung, die rund 500 bisher unveröffentlichte Dokumente und Objekte beinhaltet, wird auch die Frage geklärt, warum Deutschland die Schweiz angreifen wollte. Zu Kriegsbeginn hatte die Schweiz ihre Neutralität erklärt, die mit der Wahl von General Guisan, einem ausgesprochenen Gegner der Nazis, bekräftigt wurde. Da die Armee auf die Verteidigung des ganzen Landes zu wenig vorbereitet war, beschloss Guisan, den Schwerpunkt der Verteidigung auf das Réduit National mit den Alpentransversalen zu legen, damit diese nicht in Feindeshand fallen würden. Zudem wurde der ursprünglich nur mit sechs Offizieren besetzte Nachrichtendienst auf breiter Basis zur Abteilung für Nachrichtendienst und Sicherheit ausgebaut. 

Als neutrales Land umzingelt von den Achsenmächten, wurde die Schweiz für die Alliierten wichtig, wo sie ihre verdeckten Stützpunkte errichteten. Von  der Schweiz aus unterstützten sie die Widerstandsbewegungen gegen das Deutsche Reich mit Waffen, falschen Papieren, Sende- und Empfangsgeräten, Landkarten und vielem mehr, wie die Ausstellung in ihrer ganzen Breite zeigt. Damit wurde die Schweiz mehr und mehr zur geheimen Drehscheibe der Nachrichtendienste der USA, Grossbritanniens, der Sowjetunion und des französischen und polnischen Widerstandes. Das blieb auch der deutschen Abwehr, die im Geheimen in der Schweiz ebenfalls ihren Interessen nachging, nicht verborgen. Das war einer der wichtigsten Gründe für die deutschen Kriegspläne gegen die Schweiz. 

Offiziell war die Schweiz neutral. Inoffiziell war man über die Arbeit der Nachrichtendienste der Alliierten informiert oder arbeitete auch zusammen. Jacques Baud weist darauf hin, dass General Guisan in dieser schwierigen Lage die Neutralität entsprechend angewendet hat, um die Unabhängigkeit der Schweiz aufrechtzuerhalten. Ähnlich äusserte sich auch Winston Churchill in einer Rede am 3. Dezember 1944: „Von allen neutralen Ländern hat die Schweiz den grössten Anspruch auf Anerkennung. Sie war die einzige internationale Kraft, die uns mit den schändlich gespaltenen Nationen verband. Welche Bedeutung kann es schon haben, ob sie uns die gewünschten Handelsvorteile gewährt hat oder ob sie den Deutschen zu viele davon eingeräumt hat, um selbst zu überleben?“ „Es war ein demokratisches Land, das sich inmitten der Berge für die Freiheit einsetzte und letztendlich – trotz des Krieges – weitgehend auf unserer Seite stand“.

Die Ausstellung «TOP SECRET» im Château de Morges dauert noch bis zum 20. Dezember 2026. Zur Ausstellung gibt es vor Ort die Übersetzung auf Deutsch, mit der man durch die Ausstellung gehen kann

Öffnungszeiten: Ab Oktober Mittwoch bis Sonntag 10 Uhr bis 17 Uhr. https://chateau-morges.ch/expositions/top-secret/

  1. «GUERRE DE L’OMBRE La Suisse au coeur de la résistance en Europe 1939-1945», Bière 2025, ISBN: 978-2-88985-028-0 ↩︎

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