Der 20. Juli ist für Deutschland historisch ein ganz besonderer Tag, an dem an den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert wird. Am 20. Juli 1944 hatte eine Gruppe von deutschen Offizieren um Oberst Claus Schenk Graf von Staufenberg versucht, mit einem Attentat auf Adolf Hitler dem 3. Reich und damit dem Nationalsozialismus ein Ende zu setzen. Das Attentat misslang und von Staufenberg wurde mit seinen militärischen Widerstandskämpfern in der folgenden Nacht im Hof des sogenannten Bendlerblockes erschossen.
Auch dieses Jahr wurde der 20. Juli im Gedenken an den mutigen Widerstand um Oberst von Staufenberg mit Kranzniederlegungen feierlich begangen. Sowohl Verteidigungsminister Boris Pistorius wie auch General Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, nahmen an der Feierstunde teil. Anschliessend wurden 230 neue deutsche Rekrutinnen und Rekruten vereidigt.
Ehrengast an diesem feierlichen Gelöbnis war der Schriftsteller und Wissenschaftler Dr. Navid Kermani, der sich in seiner Rede an die jungen Frauen und Männer in Militäruniform wandte. Er verwies auf die Rede des deutschen Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier im Auswärtigen Amt vom 24. März 2026, der daran erinnerte, dass sich die deutsche Aussenpolitik am Völkerrecht zu orientieren habe. https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/bpr-75-jahre-aa-2415774?utm_source=chatgpt.com
Kermani kritisierte Bundeskanzler Merz, der sich darüber hinwegsetze und forderte die jungen Leute dazu auf in der Armee in erster Linie ihrem Gewissen zu folgen bei Befehlen, die mit dem Völkerrecht nicht vereinbar sind. Dazu folgender Ausschnitt aus der Rede von Navid Kermani:
«Immerhin hatte der Bundespräsident in seiner Rede am 24. März im Auswärtigen Amt1 Gründe, daran zu erinnern, dass Deutschland dem Völkerrecht und der regelbasierten Weltordnung verpflichtet ist. Die Reaktionen der politischen Entscheidungsträger in Regierung und Parlament auf seine Rede, die von Häme über Abwehr bis hin zu Totschweigen reichten, machten deutlich, wie berechtigt seine Mahnung war. Schließlich häufen sich die Stimmen auch in Deutschland, dass die regelbasierte Ordnung nur noch etwas fürs Feuilleton sei. Kein Geringerer als der Bundeskanzler hat es sich zur Gewohnheit gemacht, das Völkerrecht klein- und Völkerrechtsverstöße schönzureden, wo es ihm politisch opportun erscheint.
Liebe Rekrutinnen und Rekruten, Sie stehen am Anfang einer womöglich langen Laufbahn in der Armee. Es ist unwahrscheinlich, dass die nächsten Jahrzehnte so friedlich bleiben, wie es die letzten Jahrzehnte für Deutschland alles in allem waren.
Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern.»
Was ist nun der Unterschied zwischen jungen Leuten, die in Deutschland ihre Rekrutenschule absolviert haben und jungen Rekrutinnen und Rekruten in der Schweiz?
Die Schweiz als neutrales Land kennt keine Bündnispflicht wie Deutschland und andere Natomitglieder. Sie verteidigt sich lediglich bewaffnet gegen Angriffe von aussen. Junge Leute in Deutschland müssen jedoch damit rechnen – so verstehe ich sowohl Bundespräsident Steinmeyer wie auch Navid Kermani, dass gewissenlose Politiker die deutsche Armee in völkerrechtswidrige Kriege hineinführen könnten.