Am 26. Juni hat der ehemalige schweizerische Botschafter Jean-Pierre Vettovaglia in Genf im Institut des Cultures Arabes et Méditerranéennes sein neues Buch vorgestellt, das die schweizerische Aussenpolitik im Zusammenhang mit der Neutralität kritisch beleuchtet.
In seinem neuen Buch ‚Neutralité suisse et ordre mondial au bord du basculement‘ beschreibt Jean-Pierre Vettovaglia, wie sich die Einstellung des Bundesrates in Bezug auf die schweizerische Neutralität nach dem Zerfall der Sowjetunion und der mit ihr verbundenen sozialistischen Staaten nach und nach verändert hat.
Mit dem Beitritt der Schweiz von 1996 zur ‚Partnerschaft für den Frieden‘ der Nato begann eine schleichende Annäherung an ein Bündnis, das drei Jahre später – völkerrechtswidrig – Serbien bombardierte. Die weitere Annäherung an die Nato bis 2022 zeichnete sich aus durch mangelnde Transparenz und Undurchsichtigkeit.
Botschafter Vettovaglia’s kritische Analyse der Nato zeigt, dass eine weitere Annäherung an die Nato die Schweiz nicht schützen wird, sondern im Gegenteil eine Gefahr für die Schweiz darstellt.
Im Hauptteil des Buches geht es um die einseitige Haltung des Bundesrates zum Ukrainekonflikt von 2022 sowie zur Palästinafrage, die weltweit vor allem in den Ländern des globalen Südens auf grösstes Unverständnis gestossen ist und die Glaubwürdigkeit der schweizerischen Neutralität auf das Schwerste beschädigt hat. Auch die Problematik von Sanktionen wird beleuchtet. Im Kapitel ‚Maccarthysme à la Suisse“ beschreibt der Autor zudem die „Repression der Eliten gegen diejenigen, die vom offiziellen Narrativ abweichen.“
Botschafter Vettovaglia verbleibt jedoch nicht in einer negativen Sicht der aktuellen Lage. Mit seinen „Zehn Geboten“ der Neutralität und seinem Ausblick auf unsere Welt, die in einem Wandel zur Multipolarität begriffen ist, gibt er seinen Lesern einen ermutigenden Ausblick.