Ruth-Gaby Vermot warnt vor der militärischen Aufrüstung der Schweiz – und erinnert an die verdrängte Rolle des Landes als Vermittlerin und Friedensmacht.
Die langjährige Berner SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot nutzt ihren Abschied als Präsidentin von FriedensFrauen Weltweit für einen eindringlichen Appell gegen die zunehmende Militarisierung Europas. Im Interview zeichnet sie das Bild einer Welt, die sich wieder an Krieg als politisches Mittel gewöhne – und einer Schweiz, die dabei ihre traditionelle Rolle als neutrale Vermittlerin aufs Spiel setze.
Besonders deutlich wird Vermot beim Blick auf die aktuelle sicherheitspolitische Debatte in Bern. Aussagen von Armeechef und Bundesrat, wonach sich die Schweiz auf einen möglichen Krieg vorbereiten müsse, bezeichnet sie als «hochgefährlich». Die Schweiz habe international Glaubwürdigkeit aufgebaut als Gastgeberin von Friedensgesprächen und Brückenbauerin. Gerade deshalb wiege es schwer, wenn nun primär über Aufrüstung gesprochen werde.
Dabei argumentiert Vermot keineswegs naiv-romantisch. Ihre Organisation arbeitet mit Fraueninitiativen in zehn Konfliktregionen zusammen, darunter auch in der Ukraine. Dort gehe es im Alltag oft nicht um geopolitische Maximalforderungen, sondern um elementare Sicherheit.
«Frieden bedeutet für Ukrainerinnen, dass die Kinder zur Schule gehen können, ohne bombardiert zu werden», sagt sie.
Frieden beginne dort, wo der Alltag wieder möglich werde. Bemerkenswert ist, wie konsequent Vermot auf Dialog statt Abschreckung setzt. «Es gibt aber keine Alternative», sagt sie mit Blick auf Gespräche selbst mit autoritären Regimen wie Russland. Waffen könnten allenfalls einen Waffenstillstand erzwingen, argumentiert sie, aber keinen nachhaltigen Frieden schaffen. Friedensprozesse seien langwierig, unbequem und gesellschaftlich tiefgreifend.
Gerade an diesem Punkt hätte das Interview allerdings kritischer nachhaken können. Die Frage nach der Neutralität der Schweiz – und ob diese in einer zunehmend polarisierten Welt überhaupt noch glaubwürdig gelebt wird – bleibt erstaunlich unterbelichtet. Zwar streift Vermot die Rolle der Schweiz als Vermittlerin mehrfach, doch eine vertiefte Diskussion darüber, wie Neutralität heute konkret aussehen soll, fehlt. Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Debatten wäre das ein zentraler journalistischer Punkt gewesen.
Auffällig sind auch die Reaktionen der Leser. Statt der oft erwartbaren Forderungen nach mehr Härte oder stärkerer Aufrüstung dominieren erstaunlich wohlwollende Stimmen gegenüber Vermots Position. Viele Kommentare zeigen Skepsis gegenüber einer militärischen Aufrüstung der Schweiz und betonen stattdessen den Wert diplomatischer Vermittlung und humanitärer Traditionen. Das deutet darauf hin, dass die Diskussion über Sicherheitspolitik in der Schweiz differenzierter geführt wird, als es die politische Debatte manchmal vermuten lässt.
Ob Vermots Appell realpolitisch trägt, bleibt offen. Doch ihr beharrliches Erinnern daran, dass Friedensarbeit mühsamer ist als Kriegsvorbereitung, trifft einen Nerv – gerade in einer Zeit, in der Europa wieder vor allem über Waffen spricht.
Eine Antwort
Wenn ich die Position der “Friedensfrauen” auf deren Homepage zum Ukrainekrieg anschaue, dann möchte ich zu ihnen sagen.
Wenn man lügt und nur einseitig die Position einer Kriegspartei einnimmt, dann kann man am Friedensprozess nicht teilnehmen, sondern man ist Teil des Konflikts.
Wenn man das nicht versteht, versteht man gar nicht, wie Frieden überhaupt gemacht wird. Dann sollte man sich aber auch nicht “Friedensfrauen” nennen, sondern Kriegsfrauen – oder einfach Heuchlerinnen.
Viele Grüsse
Ein Mann.